Knappenverein Glückauf-Südkamen 1901

Monopol von 1887 - 1994

Bergbau in Kamen / Bergkamen


Nachdem die Nordwanderung des Kohlebergbaus im mittleren und westlichen Ruhrgebiet schon stark vorangeschritten war, setzte auch weiter östlich dieser Trend ein. Hier ist das Deckgebirge wesentlich mächtiger. Damit entstanden höhere Kosten beim Abteufen der Schächte. Monopol war eine Gründung mit dem Hauptbeteiligten Friedrich Grillo aus Essen. Er hatte sich davor stark im Raum Essen/Gelsenkirchen engagiert (u.a. Zeche, Stahlwerk, Maschinenfabrik). Die Förderanlagen von Monopol befanden sich in Kamen und Bergkamen. Die bis dahin ländliche Gegend veränderte sich nicht so sehr wie im Kernruhrgebiet, da die Hauptsiedlungsbereiche Kamen und Werne nur kleine Ackerbürgerstädte waren und bei den Zechenanlagen neben Siedlungen kaum Industrie entstand. Die Ausnahme sind die Scheringwerke, die heute noch produzieren.

Die Anlage Grillo wurde nach ihrem Gründer benannt, Grimberg nach dem Bochumer Heinrich Grimberg, der mit Grillo zusammen die ersten Felder gekauft hatte. Der Name Monopol soll etwas skurriler entstanden sein. Grillo und Grimberg feierten angeblich ihren Kauf ausgiebig mit Sekt der Marke Heidsiek-Monopole am Abend vor der Konsolidierung der Einzelfelder beim Oberbergamt. Da ihnen kein schlüssiger Name eingefallen sein soll, erinnerten sie sich wohl noch nicht ganz nüchtern an den Sekt. Selbst wenn es wirklich nicht so gewesen sein sollte - eine sehr nette Anekdote. Die einzelnen Anlagen wurden mehrfach zu Betriebseinheiten zusammengelegt, die jeweils als eine neue Schachtanlage geführt wurden.

Die Sekt-Marke gibt es übrigens noch immer.
Heidsieck & Co. - Monopole seit 1785

1898 übernahm die Gelsenkirchener Bergwerks AG Monopol, 1933 die Essener Steinkohlenbergwerks AG und 1952 die Harpener Bergbau AG. 1956 erfolgte die Umwandlung zur Monopol-Bergwerks AG, die 1969 in die RAG eingebracht wurde. In den 1970er Jahren setzte auch im Raum Kamen die Strukturkrise ein. Daher wurde ein Verbund geplant, der unter dem Namen Neu-Monopol einen langfristigen Kohleabbau sichern sollte. Nach nur zehn Jahren kam für das derzeit modernste Bergwerk Europas der Stilllegungsbeschluss für Ende 1993. Über das ganze Jahr fanden Demonstrationen statt, Straßensperrungen, Betriebsbesetzungen, Auftritte im Fernsehen und viele Aktionen vor Ort. Geholfen hat es nicht. Nach 120 Jahren endete der Bergbau in Kamen und Bergkamen.

Die Zeche hatte immer sehr große Probleme mit Methan. Bei Schlagwetterexplosionen starben insgesamt über 500 Bergleute.

Grillo I / II

Die Anlage Grillo 1/2 (Monopol I) wurde westlich der Stadt Kamen abgeteuft. 1873 begannen die Arbeiten am Schacht 1 unter dem Namen Akropolis, der 1874 in (Friedrich) Grillo 1 umbenannt wurde. Unter Tage wurde ein Querschlag zur Zeche Königsborn aufgefahren, da ein zweiter Ausgang aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben war. Ab 1879 wurde regelmäßig Kohle gefördert, aber nur kleine Mengen. Mit dem Abteufen von Schacht 2 1887 wurde das Auffahren des Querschlags eingestellt. Mit der seit 1885 bestehenden Gleisanbindung stieg nun auch die Fördermenge auf die "normale" Menge von 200000 - 300000 t/a. Die Zeche und die Bergarbeiterkolonie und die Altstadt von Kamen wuchsen mit der Zeit zusammen. 1903 setzte die Zeche als eine der ersten Akkuloks unter Tage ein.

Bis 1972 war Grillo 1/2 Förderstandort, danach noch bis 1981 Nebenanlage für Grimberg. Dann wurde im Schacht die zentrale Kühlanlage für den Abbau von Flöz Mausegatt installiert. Hier wurde im Unterbau der mit 1425 m Teufe bisher tiefste Abbaubetrieb im Ruhrgebiet eingerichtet. Ab 2002 befand sich hier die zentrale Wasserhaltung für das Grubenfeld Monopol. Inzwischen sind alle Anlagen bis auf einige Hallen abgerissen. Das Fördergerüst von Schacht 1 (wurde 2010 verfüllt) steht noch. Es ist eines der wenigen noch erhaltenen in Stahlkastenbauweise. Der Rest der Betriebsfläche ist für einen Gewerbepark erschlossen. Im östlichen Teil ist eine größere Siedlung mit Reihenhäusern entstanden, die die bisherige Lücke in der Bebauung um die Altstadt schließt. Weitere Gewerbeansiedlungen sind in der Zwischenzeit hinzu gekommen.

Grillo I / II 1960

Grillo III

Das 1874 mit der Umbenennung aus Akropolis gegründete Bergwerk Monopol begann im Jahre 1906 mit dem Teufen des Schachtes Grillo 3, auch genannt Kiwitt, in Bergkamen-Weddinghofen. Hier entstand eine große Zechenkolonie, die den Stadtteil Weddinghofen bis heute prägt, da im 2. Weltkrieg nur geringe Schäden entstanden. Zwei Jahre später erreichte der Schacht die Karbon-Oberfläche bei etwa 380 m, im Jahre 1909 erfolgte der Durchschlag mit der 4. Sohle in 575 m Teufe. Die 4. Sohle ist die oberste an den Schacht angeschlossene Sohle. Ein Jahr später erfolgte auch der Durchschlag mit der 5. Sohle und der Schacht wurde offiziell in Betrieb genommen. Der Schacht wurde noch zweimal, einmal im Jahre 1939 und einmal im Jahre 1953, tiefer geteuft, 1955 erfolgte der Durchschlag mit der 7. Sohle bei der Endteufe von 1028 Metern.

Schon 1969 wurde der untere Teil des Schachtes bis unterhalb der 5. Sohle wieder mit Lockermassen verfüllt. Im Jahre 1983 erfolgte dann schließlich die dauerstandsichere Teilverfüllung mit einem kohäsiven Füllgut. Dabei wurde bis zu einer Teufe von 413 Metern (oberhalb des obersten Anschlags) kohäsives Füllgut aufgebracht, wobei die im Schacht vorhandenen Lockermassen als Widerlager dienten. Nach der Aushärtung des Füllgutes wurden die nächsten 333 Meter wieder mit Lockermassen aufgefüllt, bevor ab einer Teufe von 80 Metern bis zur ehemaligen Rasenhängebank wieder kohäsives Füllgut aufgebracht wurde.

Eine Besonderheit war das Fördergerüst. Es stand bis 1926 auf der Zeche Hamburg in Witten-Annen. Von dort wurde es hierher versetzt und auf das bestehende Gerüst aufgesetzt. Eine solche Translokation hat es nur in ganz wenigen Fällen gegeben.

Foto: Dieter Thiel

Grillo III - Kiwitt 1950/1960

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Dieter Thiel

Grillo IV

Für das östliche Grubenfeld wurde der Schacht Grillo 4 (genannt Drei Finken) ab 1956 geteuft. Er ging 1959 in Betrieb und wurde als Material- und Wetterschacht genutzt. Er wurde später von Haus Aden und anschließend vom Bergwerk Ost genutzt, verfüllt 1998. Heute stellt dort die Firma Busemann unter anderem Speiseeis her und nutzt dafür die ehemaligen Kauen- und Verwaltungsgebäude.

Grillo IV - Drei Finken 1990

Grimberg I / II

Die Anlage Grimberg 1/2 (Monopol II) lag nahe dem Zentrum von Bergkamen. Neben ihr entstand aus den Anlagen der Kokerei ein Chemiebetrieb, der später die Hauptproduktionsanlage des Pharmaunternehmens Schering mit Sitz in Berlin war. Seit 2010 gehört es zu Bayer. 1890 begann das Abteufen von Schacht 1. 1892 war er mit 774 m Teufe der tiefste im Ruhrgebiet. Die Probleme mit dieser Teufe zeigt eine Schlagwetterexplosion mit vier Toten im selben Jahr. Als 1896 der Schacht 2 in Förderung ging hatte die Zeche das größte Grubenfeld im Ruhrgebiet (87 km²). 1901 starben durch eine Schlagwetterexplosion acht Bergleute. 1937 begann mit dem Bau einer Fischer-Tropsch-Anlage die Benzingewinnung aus Kohle. Die Folge waren Bombenangriffe im 2. Weltkrieg. 1944 wurde die gesamte Zeche mit der Kokerei zerstört. Durch den Ausfall der Grubenbelüftung kam es zu einer Schlagwetterexplosion mit 107 Toten (davon 78 Zwangsarbeiter).

Grimberg I / II 1929

Ab 1947 wurde nach dem Wiederaufbau der Zechenanlagen der Kohleabbau fortgesetzt. Bis 1952 bestand ein Verbund mit Grillo. Von da an bis 1967 war Grimberg selbständig. 1953 forderte eine weitere Schlagwetterexplosion fünf Tote. 1967 wurden die Anlagen wieder als Grillo/Grimberg 1/2 geführt und ab 1970 unter dem Namen Monopol. Nachdem im Bereich Grimberg 1/2 der Kohleabbau 1974 eingestellt war begann die Vorbereitung für den Betrieb Neu-Monopol. Dazu wurden ab 1975 insgesamt 12,325 km neue Strecken mit einer Vollschnittmaschine aufgefahren. 1979 kam der Schacht Werne 3 für die Wetterführung dazu. Für den langfristigen Absatz entstand in Bergkamen-Heil ein neues Kraftwerk, das über eine 2,1 km lange Bandanlage angeschlossen war.

Nach der Betriebsaufnahme am 13. 10. 1981 wurde die Kohle aus dem alten Feld Grimberg 1/2 und die Restkohlen von Grillo 3 und Grillo 4 gefördert. 1982 folgte die Rückbenennung in Monopol. Bis zum Verbund mit Haus Aden 1993 vergingen nur wenige der prognostizierten Betriebsjahre. Im Nachhinein scheint die Entwicklung von Neu-Monopol eine politische Entscheidung der damaligen Landesregierung gewesen zu sein. Die Kohlelobby in der SPD war damals sehr stark. Die frühere Verwirklichung des Verbunds mit Haus Aden wäre sicher die wirtschaftlichere Lösung gewesen. Heute ist das Gerüst über dem Schacht Grimberg 2 erhalten. Es ist 73 m hoch und eine weit sichtbare Landmarke. Die Bauweise als Stahlkastenstrebegerüst ist einmalig. Besonders auffällig sind die vier übereinander angeordneten Seilscheiben. Die Fördergefäße hingen jeweils an vier Seilen, die Gegengewichte an dreien. Der Schacht ist weiter für die Wasserhaltung offen.

Monopol Fortsetzung 1981
Foto: Ulrich Bonke

Grimberg III / IV

Die Anlage Grimberg 3/4 (Monopol III) lag nordwestlich von Grillo 3. Mit dem Abteufen von Schacht Grimberg 3 (genannt Kuckuck) wurde 1923 begonnen. Wegen der wirtschaftlichen Lage wurde die Anlage 1927 stillgelegt. Erst mit dem Kauf durch die Essener Steinkohlenbergwerke AG ging der Ausbau weiter. Der Schacht 3 wurde 1934 gesümpft und daneben Schacht 4 abgeteuft. Bis 1942 waren die Ausbauarbeiten unter Tage noch nicht beendet. Dabei kam zum ersten Mal im Ruhrbergbau der schreitende Ausbau (im Prinzip der Vorläufer des heutigen Schildausbaus) zum Einsatz.

Ab 1945 wurde die Anlage selbständig geführt, zunächst unter der Regie der englischen Besatzungstruppen. Dabei kam es 1946 zum schwersten Unglück in einer deutschen Zeche. Bei einer Schlagwetterexplosion starben 405 Bergleute. Die Brände konnten nur durch Fluten der Grubenbaue eingedämmt werden. Eine riesige Stichflamme aus dem Schacht 3 zerstörte die Förder- und Seilfahrtanlage komplett. 64 Bergleute konnten lebend, 18 tot geborgen werden. Auch der Betriebsleiter und drei britische Offiziere der "North German Coal Control" waren unter den Toten. Bei den Bergungsarbeiten von den Nachbaranlagen aus kam es immer wieder zu kleineren Bränden. Erst 1952 waren die Schäden beseitigt und es folgte die erneute Förderaufnahme.

Die Katastrophe bewirkte ein Verbesserung bei den Sicherheitseinrichtungen unter Tage und bei der Ausrüstung der Grubenwehren. Auch die Entwicklung von Filterselbstrettern wurde beschleunigt. Sie sollte schon bis 1950 zur Standardausrüstung einers jeden Bergmannes gehören.

1973 wurde der Betrieb eingestellt und die Anlage 1974 von Haus Aden übernommen. Die anstehende Kohle wurde noch bis 1994 dort abgebaut. Die Betriebsanlagen wurden 1997 größtenteils abgerissen. Die hier gelegene Bergbauberufsschule wurde weiter betrieben. Nahe der Anlage befindet sich ein russischer Friedhof. Dort sind 147 Zwangsarbeiter begraben, die auf der Zeche eingesetzt waren.

Ab 1987 wurde der Schacht Grimberg 3 für den Abbau der Flözes Mausegatt tiefer geteuft. Er erreichte 1989 die Endteufe von 1635 m und war damit der tiefste Schacht in Europa. Zwischen 1995 und 1997 wurden alle Tagesanlagen abgerissen und die Schächte verfüllt. Auf den Schächten stehen Protegohauben. Das anfallende Methan wird in einem Blockheizkraftwerk verwertet.

Grimberg III / IV nach dem Wiederaufbau 1952

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
Grillo 1 1873 1879 2010 1016 1888 - 1938
Grillo 2 1887 1890 1983 691  
Grillo 3 (Kiwitt) 1906 1910 1983 1021  
Grillo 4 (Drei Finken) 1956 1959 1998 1030  
Grimberg 1 1890 1893 1972 1031 1906 -1978
Grimberg 2 1893 1896 1972 1066  
Grimberg 3 1923/1934 1936 1974 1635  
Grimberg 4 1934 1936 1974 1096  
Werne 3 ab 1975   2000 975  

Monopol (1879 - 1945) maximale Förderung 2.265430 t 1940, durchschnittlich 800000 - 1,4 Mio. t/a
Neu- Monopol (1981 - 1992 maximale Förderung 2.559169 t 1990, durchschnittlich 2 - 2,5 Mio. t/a
Grillo (1952 - 1967) maximale Förderung 984462 t 1955, durchschnittlich 800000 - 900000 t/a
Grimberg 1/2 (1952 - 1967) maximale Förderung 1.084602 t 1965, durchschnittlich t/a
Grimberg 3/4 (1945 - 1974) maximale Förderung 1.439083 t 1973, durchschnittlich 800000 - 1,4 Mio. t/a



Quelle zu großen Teilen: Ehemalige Zechen im Ruhrgebiet

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